Gründungen 1902 und 1911
Entstehung
"Es waren 13 junge Turner, die im Jahre 1902 den "Castroper Fußball-Club" gründeten. ... [ ]
In der Gastwirtschaft Fritz Punge an der Ecke Münsterstr. / Am Markt fanden sich

  • August Paege,
  • Anton und
  • August Steffen,
  • Karl Punge,
  • Ernst Kalthoff,
  • Alfred Spielhoff,
  • Fritz Schlebusch,
  • Eugen Noot,
  • Hermann Bauer,
  • Heinz Hönnecke,
  • Wilfried Bormann,
  • Alfred Lüneburger und
  • Heinrich Baack

zur Gründungsversamlung ein. ..." So fangen alle Festschriften zum 25-, 50-, und 75-jährigen Bestehen an. Natürlich hat einer vom anderen abgeschrieben, denn wie sollen sich die Verfasser der 50 und der 75- jährigen Festschrift noch an die Gründerzeit um 1902 erinnern? Nicht anders ist diese Festschrift zusammengestellt. Allerdings sollten sich in dieser Version schon einige Zusätze bezüglich der Einordnung in den historischen Kontext finden lassen.
Geschichtlicher Gesamtzusammenhang
Wie z.B. dieser. Zwei Dinge zu den Anfangstagen lassen sich nachtragen, die in den bisherigen Festschriften keine besondere Erwähnung finden.

  1. das Entstehen aus einem Turnverein und
  2. die ausgewiesen bürgerliche Herkunft der Gründer

Fußballvereine gingen im wesentlichen aus vier gesellschaftlichen Einrichtungen hervor,

  1. den Turnvereinen (bspw. der Duisburger Spielverein 1900),
  2. der Kirche (bspw. Borussia Dortmund oder Hamborn 07),
  3. den Schulen
  4. und den Straßenmannschaften, den sogenannten wilden Vereinen, die in Gaststätten und Wirtschaften, eine Heimstatt fanden. (bspw. FC Schalke 04).

Bei den "alten Castropern" wie die 02er auch genannt wurden, waren die Turner die treibende Kraft.
Während alle anderen Ursprungseinrichtungen von der Obrigkeit mit Mißtrauen betrachtet wurden, war das bei den Turnern kein Problem, gingen sie doch aus der zum Nationalismus gewandelten Bewegung des Turnvater Jahns hervor. Auch der streng konservative aber mächtige Fußballverband, der "Westdeutsche Spielverband" kann in diese Ecke gestellt werden. (der DFB war als Dachverband noch ein kleines Licht). Wollte man Fußball im Ligabetrieb spielen, war eine Zugehörigkeit zu ihm unbedingt erforderlich. Schalke 04 und Borussia Dortmund oder auch der SpVgg Erkenschwick wurde die Aufnahme z.B. mehrfach verweigert, da sie der "falschen" gesellschaftlichen Schicht angehörten.
Bei den 02er war es eher umgekehrt. Hier kam der WSV auf den Verein zu und bat ihn um Mitgliedschaft, um dem Fußball in der Region auf die Sprünge zu helfen. Tatsächlich waren die Mitglieder von "02" Söhne örtlicher Honoratioren.
Hermann Bauer bspw., der erste 1. Vorsitzende des Vereins gehörte zu der Kaufmannsfamilie Bauer, die ihr Geschäft an der Stelle hatten, wo heute Schulz steht.
Heinz Hönnecke, der erste Spielführer kam aus Koblenz und war die treibende Kraft des Vereins.
...
Entstehung
Wie sah es bei den "Oberstädtern" aus? Diese Bezeichnung für Obercastrop war damals üblich. Man findet sie noch in alten Zeitungsberichten. Von den Rot-Schwarzen inspiriert, entstand schon seit längerem der Wunsch, in Castrop einen zweiten Fußballverein zu etablieren. Vereine wie Arminia Ickern oder VfB Habinghorst waren noch nicht aus der Taufe gehoben, Rauxel 08 war zwar schon gegründet, aber damals gehörte Rauxel nicht wirklich zu Castrop. Der Verein konstituierte sich am 15.06.1911 unter dem Namen Germania Obercastrop im Wirtshaus Bresser,A einer Wirtschaft die im hinteren Bereich der heutigen Wirtschaft Rüttershoff gestanden hat. 1. Vorsitzender wurde der Wirt Heinrich Bresser.
Geschichtlicher Gesamtzusammenhang
Und so reiht sich Germania Obercastrop mit Vereinen wie Celtic Glasgow oder Borussia Dortmund ein. Auch hier hatten Wirte das Zepter übernommen, teils weil nur sie in einer "proletarischen" Umgebung Führungsqualitäten mitbrachten, teils weil nur sie Umkleidemöglichkeiten zur Verfügung stellen konnten und teils weil sie ein Geschäft witterten. Denn Fußball war bis hierhin noch kein Sportspiel, sondern eher ein Gesellschaftsspiel mit anschließender "kleiner Kneipe", wie der Umtrunk damals hieß.
Das erste Spiel
Das erste Spiel 02's fand auf dem Rennbahngelände am 8.3.1903 gegen den Dortmunder FC 95 statt und ging 1:4 verloren. Der DFC 95, (später DSC 95 heute nach einer Fusion Eintracht Dortmund) war als einer von 3 ältesten Fußballvereinen in Westfalen Pionier. Man hatte sich also einem der größten Kaliber des westdeutschen Fußballs gestellt. Im gleichen Jahr wurde trotz der Bedenken seitens der Castroper(!) auch wegen der nötigen Aufnahmegebühr, die schon erwähnte Aufnahme in den Rheinisch-Westfälischen Spielverband, dem Vorgänger des WSV, vollzogen. Wahrscheinlich hat Walter Sanß, der erste Geschäftsführer des DFB und Mitglied des DSC 95 hier seine Finger im Spiel gehabt und diese Aufnahme persönlich initiiert und gefördert. Heute würde man sagen, daß personelle Netzwerke gegriffen haben oder die Seilschaften funktioniert haben.
Das Selbstverständnis des Fußballs
Die Bezeichnung Spiel- und nicht etwa Fußballverband deutet auf eine breiter angelegte Bewegung als die des Fußballs hin. Im Gegensatz zu den Turnern wollte man tatsächlich das Spielelement stärker betont sehen. Die Turner sahen im Spiel jedoch einen Ansatz von Disziplinlosigkeit und wetterten stark gegen den Fußball. Was Körperertüchtigung und Volksgesundheit angeht, hatten sie sowieso einen Alleinstellungsanspruch. Zum Verband gehörten auch andere das Spielelement betonende Sportarten wie Tennis, Schlagball, aber auch die "volkstümlichen Bewegungsspiele", nämlich die Leichtathletik, die den Turnern am stärksten das Wasser abgruben und ihnen deswegen am meisten ein Dorn im Auge waren. Auch beim Castroper Fußballclub wurde Tennis gespielt und Leichtathletik betrieben. Konsequenterweise benannte man sich auch schon 1903 in Castroper Sportverein um.
Platzbeschaffung
Die Platzbeschaffung stellte wie bei allen Vereinen das größte Probleme dar, da man auf die Toleranz örtlicher Grundbesitzer angewiesen war. Der erste Platz befand sich auf dem Rennbahngelände1 des Konsul Mulvanys, dem Besitzer der Zeche Erin, der den Verein aber schnell wieder hinauskomplimentierte. Dann wechselte man auf den 'Schlingermannschen Kamp'2 neben dem heutigen Platz Wacker Obercastrops, später in das Castroper Holz4, wo man bis 1919 spielte. Zwischenzeitlich wich man immer mal wieder auf eine Wiese des Bauers Brinkmann in Behringhausen3, hinter den 'Frankschen Häusern' aus.
Ligabetrieb
Castrop 02 erlebt in den Jahren vor dem 1.Weltkrieg schon eine erste Blütezeit. 1912 und 13 wurde man in der zweithöchsten Spielklasse jeweils Zweiter, allerdings muß man einschränkend hinzufügen in der ebenfalls zweitniedrigsten Klasse und das auch noch in einer Vierergruppe. Dies sei nur wegen der Einordnung der sportlichen Leistung erwähnt. Festschriften neigen ja schnell dazu, zu glorifizieren. Im gleichen Jahr wurde erstmals eine Jugendabteilung eingerichtet. Das ist insofern als Erfolg zu bezeichnen, als das in den Anfangstagen das Vereinsleben ohne Jugend relativ schnell wieder einschlief, denn ein Verein hatte sich irgendwann mal aus eine Gruppe Gleichaltriger gegründet, die bis ins hohe Alter hinein zusammenblieben. Durch eine Jugendabteilung sicherte man sich eine neue Generation Gleichaltriger und somit den Fortbestand des Vereins. Insofern veränderte sich das Gesicht eines Vereins und seiner 1. Mannschaft nicht stetig, sondern auf einen Schlag. (Daß heißt, es kamen nicht jedes Jahr drei oder vier Jugendliche aus der A-Jugend, sondern im Extremfall lösten 11 Jüngere 11 Ältere ab.)
Platzbeschaffung
Auch die Germanen mußten sich erstmal einen Platz beschaffen. Auf einem Gelände am katholischen Friedhof1 fand der Verein seine erste sportliche Heimat. Trotzdem mußte noch im gleichen Jahr ein neuer Platz her, da der Friedhof um genau dieses Gelände erweitert wurde. Provisorisch spielte man auf einem viel zu kleinen Platz neben dem Lyzeum 2, dem heutigen Oberstufengebäude des ASG. Dann - immer noch im Jahr 1912 - sprang zum ersten Mal die Zeche Erin ein, die in der weiteren Geschichte des Vereins noch eine größere Rolle spielen sollte. Sie stellte dem Verein einen Teil der Rennbahn3 zur Verfügung.
Mitgliederzahl
Während noch im Gründungsjahr die Mitgliederzahl auf 80 anstieg, schmolz sie ein Jahr später auf 24. Ein typisches Beispiel für einen Boom? Wahrscheinlich ja - die Annalen sprechen nur davon, daß ein Teil der Spieler und Anhänger den Verein verließ. Zwei Jahre später hatte sich das sowieso erstmal erledigt, denn der Krieg brachte den Spielbetrieb bis 1919/20 zum Erliegen.
Glanzzeit in den 20ern
Im Jahr 1919 nahm man bei den "alten Castropern" die Vereinsarbeit wieder auf. Im gleichen Jahr wurde dem Verein von der Stadt ein Gelände an der Bladenhorster Str.5 , hinter dem Sägewerk zur Verfügung gestellt. Vielleicht Indiz dafür, daß der Verein jetzt der städtische Repräsentationsclub war, denn unterhalb Bürgermeistern oder sonstigen Vertretern der Stadt als Vorsitzende oder Geschäftsführer tat man es nun nicht mehr.

Die Saison 1918/19, die ein einer Kurzsaison von Januar bis Juli 1919 ausgetragen wurde, sah allerdings noch kein Castrop 02 im Ligenbetrieb. Während andere Vereine bereits wieder Meisterschaftsspiele austrugen, brauchte der CSV noch etwas länger, um sich von den "Nachwehen" des Krieges zu erholen.
Platzierungen
Bis 1927 spielte man zweitklassig und erzielte auch gute Plazierungen. 1924 wurde den Castropern trotz Erringung der Meisterschaft der Aufstieg versagt. Solche "schicksalhaften" Nichtaufstiege aufgrund der Neukoordinierung des Ligensystem des WSV finden sich nicht nur in den Festschriften des CSV wieder. Allerdings muß man entschuldigend sagen, daß der Verband die Ligen wirklich wild durcheinanderwürfelte. Für die Saison 1926/27 wurde erstmals ein hochkarätiger Trainer eingesetzt. Karl Burger aus Süddeutschland wurde 1914 mit der SpVgg Fürth Deutscher Meister und war auch elffacher Nationalspieler. Systematisches Training war in dieser Zeit sicher noch ein nicht zu unterschätzender Faktor. Infolgedessen stieg man 1926/27 in die 1. Ruhrbezirksklasse auf, die höchste Liga im WSV. Dazu beigetragen hat sicherlich auch die Fusion mit Rasensport Rauxel zur Sportvereinigung Castrop-Rauxel 1902 im gleichen Jahr. Ein Jahr später hatte der Verein seine erfolgreichste Saison bzw. er schaffte die erfolgreichste Saison einer Castroper-Rauxeler Mannschaft aller Zeiten, die höchstens noch mit dem Gewinn der westfälischen Amateurmeisterschaft durch Arminia Ickern 1952 vergleichbar ist. Man wurde mit zwei Punkten Rückstand Zweiter in der 1. Ruhrbezirksklasse Gruppe 2, nur geschlagen vom damals schon übermächtigen FC Schalke 04. Die Verpflichtung Burgers kann auch in anderer Hinsicht nicht hoch genug eingeschätzt werden. Burger galt als einer der besten Trainer in Deutschland. Darüberhinaus hatte er ein Hotel in Waibstadt in Baden, das er unbeaufsichtigt lassen mußte. Dieser Mann hatte sicher seinen Preis. Castrop 02 hat zur damaligen Zeit klarste Visionen und wollte mit großen Investitionen etwas im Fußball erreichen. Das hatte allerdings auch unangenehme Nebeneffekte.
Neues Stadion
In die gleiche Zeit (1927/28) fiel die Eröffnung des Castroper Stadions an der Ludwigstraße.6. Mit einem Leichtathletiksportfest und einem Spiel gegen SW Essen (3:4) weihte man die Kampfbahn ein. Vermutlich auf Initiative Karl Burgers spielte man Ostern 1929 in diesem Stadion gegen die Spvgg Fürth und erhielt eine 0:9 Packung. Drei Monate später waren die Fürther Deutscher Meister. Das Stadion war ein Indiz für die neue Zeit und kann in einerm Atemzug mit der "Rote Erde" in Dortmund, der "Glückaufkampfbahn" in Schalke oder auch anderen Stadien im Ruhrgebiet genannt werden. Erstmals wurden große Sportstätten öffentlich gefördert.
Nah beim Stadion stand das langjährige Vereinslokal EhlertA an der Ecke Bahnhof/Ludwigstraße. 1975 mußte es dem Bau der A42 weichen.
Platzbeschaffung
In Obercastrop ging es im Juni 1919 weiter. Auf der ersten Versammlung nach Kriegsende wurde dann auch sogleich die Umbenennung des Vereins in BV 1911 Obercastrop beschlossen. Der Sportplatz allerdings war den BV 11ern wieder abhanden gekommen. Als Ausgleich für den nicht mehr zur Verfügung stehenden Platz auf der Rennbahn, erhielt der Verein von der Zeche den Kalmes4, einen Platz neben der Erinsiedlung in Verlängerung der heutigen Christinenstraße. Hier mußten allerdings erst sämtliche Baumstümpfe gerodet werden. Überhaupt muß man sich die Herrichtung aller Plätze nicht nur der Obercastroper in schweißtreibender Eigenarbeit der Mitglieder nach teilweise 12-Stunden-Schichten unter Tage vorstellen. Landessportbünde oder sonstige Fürsprecher des Sports waren noch in weiter Ferne und etablierten sich erst Mitte der 20er Jahre (siehe oben). Vier Monate später jedoch mußte dieser Platz aber schon wieder abgegeben werden. Der Landwirt Rüttershoff stellte eine Wiese hinter der Wirtschaft Schween 5 an der Bochumer Straße zur Verfügung, gegenüber der heutigen Wirtschaft Rüttershoff. Dieser erwies sich jedoch als zu klein, so daß man erneut mit der Zeche in Verhandlung trat die wieder ein Gelände an der Rennbahn 6 bereitstellte. Um 1925 wechselte man auf den Sportplatz neben der Wirtschaft Bresser.7 Hier hatte der Verein die Umkleidekabinen direkt am Platz und war damit einer der wenigen, die solch einen Luxus genießen konnten. Man ging von der ersten Etage der Wirtschaft über eine Treppe direkt auf den Platz. Das brachte den 11ern jede Menge Bewunderung und Neid ein.
Fußball in der Zwischenkriegszeit
Nach dem Krieg nahm der Fußball als das wie wir ihn heute kennen Fahrt auf - nämlich als Wettkampfspiel. Das galt auch für Obercastrop. Zum ersten Mal konnte bspw. eine Jugendmannschaft aufgestellt werden. Die Veränderung der Machtverhältnisse in der Gesellschaft durch den verlorenen Krieg kam dabei möglicherweise auch den Obercastropern zu gute. Man wurde in den WSV aufgenomen und spielte jetzt unter dem größten Dachverband im Ligenbetrieb. (Auch die "Deutsche Turnerschaft" (DT, die "Deutsche Jugendkraft" (DJK) und der Arbeitersport (ATSB und Rotsport) trugen als Folge der Pluralisierung der Gesellschaft in der Weimarer Republik eigene Meisterschaften aus).
Platzierungen
1919/20 wurde man in die C-Klasse eingegliedert. Das war damals die vierthöchste, aber auch niedrigste Klasse. 1921/22 schaffte man den Aufstieg in die B-Klasse und 1925/26 den Aufstieg in die A-Klasse. Nach mehreren Umstrukturierungen im WSV wieder drittklassig ,gelang 1929/30 erneut der Aufstieg in die zweithöchste Klasse, die 1. Bezirksliga. Hier begann die Glanzzeit der 11er und überhaupt die erfolgreichste Ära des Castroper Fußballs, denn 02 spielte ja bereits in der höchsten Klasse. Genau wie ein Jahr später BV Castrop 11. Der Mannschaft gelang es als Neuling 1930/31 in die Ruhrbezirksliga Gruppe 2 aufzusteigen und so den Durchmarsch zu schaffen. Die Zugehörigkeit zu dieser Liga hielt aber nur ein Jahr und man stieg als Tabellenletzter wieder ab. Ein Beispiel für das Niveau der Liga. Den 11ern gelang es tatsächlich gegen Schalke 04 mit einem 1:0 in die Pause zu gehen. Dann zogen die Knappen aber die Klubjacken - heute würde man sagen Trainingsanzüge - aus und schlugen noch 11 mal zu. 1:11
Nazizeit = Pleitezeit
Auffälligerweise fehlt über das "Dritte Reich" einiges in den Annalen. Sportlich spielte sich nicht viel ab bei den 02ern. Ab 1933/34 wurde national die Gauliga als höchste deutsche Liga eingeführt. 02 wurde in die 2. Liga eingestuft. Wieder verstärkt durch den Übertritt einiger Spieler von Eintracht Rauxel (Der Verein ist möglicherweise von den Nazis verboten worden.) im Jahr 1933/34 kratzte man zwei Jahre später allerdings noch mal am Tor zur höchsten deutschen Spielklasse, der Gauliga. Im entscheidenden Spiel gegen den Tabellenletzten Westfalia Buer (0:1) widerfuhr dem Mittelläufer aber ein kapitaler Bock, der so sagt man nicht ganz unbeabsichtigt war. Dieser Spieler bekam hernach kein Bein mehr an die Erde und wechselte zum Lokalrivalen nach Erin. Ein Jahr 1936/37 später folgte der Abstieg in die Kreisklasse. Außerdem setzte ein Leiden ein, das bis heute chronisch geblieben ist. Der Verein hatte kein Geld. Indizien dafür gibt es für das Jahr 1935, 1962, um das Jahr 1970 und die Neuzeit. Hat man noch in den 20er Jahren mit einem Deutschen Meister und Nationalspieler als Trainer gearbeitet, so übernahm das Training dieses Mal der 1.Vorsitzende, Walter Friebel, der den Verein finanziell wieder auf Vordermann brachte.
Auch bei den BV11ern waren die 30er Jahre eher von Stagnation geprägt. Man spielte durchweg in der dritthöchsten Liga.
Neues Stadion
1937 wurde der Sportplatz an der Wirtschaft Bresser abgerissen. An seine Stelle trat der Turnplatz des Castroper TV, die heutige Erin-Kampfbahn 8, die von der Zeche zu einem Sportplatz ausgebaut wurde. Und zwar zu einem repräsentativen - will sagen: mit Pappeln als Umfriedung, einer Eingangssituation mit Kassenhäuschen, einem Clubhaus und Sportflächen für die Leichtathletik; kurz einem gesamten Sportplatzensemble. Quasi schon logisch vereinigte sich der BV 11 Ende 1936 mit den Sportabteilungen der Zeche Erin. Dadurch entstand ein Großverein unter dem Namen SG Erin 1911 Castrop mit Fußball-, Box-, Schwimm-, Basketball-, Turn- und Leichtathletikabteilung. Dieser Zusammnenschluß ist möglicherweise vom Staat gefördert worden. Die Nazis waren bestrebt in jeder Stadt einen Großverein zu etablieren, wenn möglich mit Anschluß an einen Betrieb, den man besser kontrollieren konnte.
1944 stieg der CSV in die Bezirksklasse auf und war wieder zweitklassig. Ab 1944 kam es kriegsbedingt zu personellen Aderlässen und man gründete mit dem BV 11, dem einzigen Verein im Stadtgebiet, der 02 das Wasser reichen konnte eine Kriegsspielgemeinschaft (KSG) wie in vielen anderen Städten auch. In diesem Jahr hätte man beinahe den Aufstieg in die Gauliga geschafft. Das entscheidende Spiel ging jedoch mit 1:2 gegen BV 04 Bövinghausen verloren. Das entscheidende Spiel bestritten
  • Willi Forst (02),
  • Adolf D'Hooghe (BV 11),
  • Willi Saase (BV 11),
  • Josef Dildrop (02),
  • Roman Jaraczewski (02),
  • Paul Tietze (02),
  • Lutz Heidt (02),
  • Otto Kirchhoff (BV 11),
  • Otto Herrmann (02),
  • Jack Nolet (02) und
  • H. Villis.
Überhaupt war die Meisterschaft in den letzten Kriegsjahren nur noch eine Farce, so daß dieses nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden soll. Im Oktober 1944 kam der Spielbetrieb zum Erliegen
Hochzeit des Castroper Fußballs
Wiederaufbau
Nach dem Krieg ging vom CSV 02 eine Initiative zur Gründung eins Großvereins in Castrop aus. Schnell hatten sich allerdings die alten Vereine wieder gegründet. Auch die Eriner sahen ihre Interessen in der noch bestehenden Gemeinschaft mit 02 nicht gewährleistet und verließen den Verein.
Plazierungen
1946/47 beklagte man erneut den Fall in die Kreisklasse, die immer noch dritthöchste Klasse. Auf Anhieb gelang dem Verein in der darauffolgenden Saison der Wiederaufstieg und nachdem man ein Jahr in der Bezirksliga "geparkt" hatte, schaffte man 1949/50 den Aufstieg in die 2.Landesliga, der mittlerweile nur noch vierthöchsten Liga, denn jetzt waren einige Ligen darüber als Oberbau eingerichtet. Vor 10.000 Zuschauern holte 02 ein 1:1 bei Arminia Ickern. Und mit einem Endspurt überflügelte man den Lokalrivalen, der ebenfalls aufstieg, und setzte sich am zweitletzten Spieltag an die Spitze. Alfred Niepieklo, Deutscher Meister 1955/56 und 1956/57 mit Borussia Dortmund, war einer der gefährlichsten Torjäger in den Reihen der Castroper. 1955/56 wurde der Verein als Landesligafünfter der neu gegründeten Verbandsliga zugeteilt. Das bedeutete weiterhin dritte Liga. Bis 1959/60 hielt man sich dort mit Vereinen wie Arminia Ickern und VfB Habinghorst. Dann folgte der Abstieg in die Landesliga. Für diese Zeit würde in Festschriften sicher stehen:"Immer und immer wieder mußte man die besten Kräfte abgeben." Klar, wenn man nur Verbandsliga spielt und darüber noch zwei höhere Ligen kommen. Neben Alfred Niepieklo verließen nämlich noch Theo Bergmeier, Hermann Merchel, Harald Beyer, Norbert Witczak und Heiner Kessebohm den Verein und wurden Vertragsspieler oder Profi.
Wiederaufbau
Am 21.10.1945 trafen sich die Eriner im Lokal Lambertz um den Spielbetrieb in Obercastrop wieder aufzunehmen. Die alten Vereine waren jedoch noch von seiten der Militäregierung verboten. Man mußte sich einen neuen Namen zulegen. BV Grün-Weiß Obercastrop. Man hatte allerdings weder Spieler- noch Spielmaterial. Erst nach und nach pendelte sich beides wieder ein. 1952 kam es zu einer Wiedervereinigung mit den Betriebssportgemeinschaften der Zeche Erin, so daß wieder der Name SG Erin 1911 Castrop geführt wurde. 1948/49 schaffte man in Ausscheidungsspielen den Aufstieg in die Bezirksliga. Dieser Liga gehörte man bis zur Fusion im Jahre 1962 an.
Nach der Vereinigung
"Weil 02 pleite war" schloß man sich 1962 mit der SG Erin 11 zusammen. Erin hatte "Kohle", im doppelten Wortsinn. Viele Ehrenamtliche des Vereins wurden sogar von der Zeche für den Verein abgestellt. Über die Fusion gibt es geteilte Meinungen. Einige meinen noch heute, daß es nicht viel gebracht hätte, andere sagen, daß der Wiederaufstieg 1963/64 in die Verbandsliga genau auf die Fusion zurückzuführen war. Innerhalb der Mannschaft soll es jedenfalls keinen Ärger gegeben haben. Es kamen ja auch die Hälfte der Mannschaftsspieler vom CSV 02 und die andere aus Erin 11. Durch den Zusammenschluß entwickelte sich der Verein zu einem Großverein. Erin 11 brachte jede Menge Abteilungen mit in die Fusion. Handballer, Leichtathleten, Volleyballer, Kanuten und Judoka lösten sich aber schnell auf oder zumindest wieder vom Hauptverein, da der Fußball einfach zu mächtig war. 1967 leistete sich der Verein eine Führungskrise. In einem Artikel der Ruhr-Nachrichten ist zu lesen: "Das auffallendste an der Hauptversammlung war - so ist es auch in fast allen anderen Vereinen - daß niemand Verantwortung übernehmen und opferbereit sein wollte... Einige Mitglieder glaubten, kritisieren zu müssen, waren jedoch bei den anschließenden Wahlen nicht bereit, ein Amt oder eine Arbeit zu übernehmen." Fünf Jahre später war laut Zeitung das Scheitern der Fusion mit VfB Habinghorst der Grund für den Rücktritt des 1.Vorsitzenden Friedhelm Ottes. In diesem Zeitraum - vermutlich ab der Saison 1967/68 - ist man irgendwann von finanziell von der Haben- auf die Sollseite gerutscht. Dieser Einbruch kann einerseits mit den sinkenden Zuschauerzahlen zu tun gehabt haben. Ein zweiter Grund können die zunehmenden Spielergehälter im Amateurbereich gewesen sein. Ein dritter Zusammenhang kann in dem Verkauf der Zeche Erin der Gelsenkirchener Bergwerks AG an den Eschweiler Bergwerksverein 1967 liegen. "Mit ihm kam der schleichende Niedergang." Die Belegschaften wurden ab Betriebsführer aufwärts nicht übernommen und so verlor der Fußball seine Lobby. Also nicht nur in Erkenschwick, Horst oder Katernberg, sondern auch in Castrop-Rauxel. Verbunden damit war wahrscheinlich die Unfähigkeit oder das Nichtwahrhabenwollens des Vorstands in Zukunft kleinere Brötchen backen zu müssen und abzusteigen. Stattdessen wurde weiter investiert. In dieser Zeit leistete der Verein aber immer noch Pionierarbeit in Castrop. 1967/68 wurde die Jugend zum ersten Mal von einem ausgebildeten "Übungsleiter" trainiert. Norbert Witczak, ehemaliger Spieler 02's und Vertragsspieler bei Viktoria Köln, kam nach Castrop zurück und übernahm alle Jugendmannschaften.
19 Jahre Bezirksliga
Im gleichen Jahr stieg man wieder in die Landesliga ab. 1970/71 wurde man bis heute zum letzten mal Meister und ging in die Verbandsliga hoch, wo man dann direkt wieder abstieg. Ab dieser Saison ging es bergab, denn auch 1975/76 stieg man noch mal in die Bezirksliga ab, der man 19 Jahre angehörte und die auch für eine gewisse nicht zu verachtende Konstanz steht. Mindestens 15 Jahre davon versuchte man den Wiederaufstieg in die Landesliga. Leider vernachlässigte man dabei die exzellente Jugend, die auch nicht mal ein Jahr Zeit hatte, sich zu entwickeln. Die A-Jugend war in den 70er Jahren ein Aushängeschild, die C-Jugend in den 80ern ebenfalls überkreislich vertreten. Meister war man mit den verschiedensten Jugendmannschaften. Der Aufstieg der Seniorenmannschaft war aber immer für das nächste Jahr geplant und nicht z.B. innerhalb einer Dreijahresfrist. Dafür wurde sogar die Liga gewechselt, um den Derbys aus dem Weg zu gehen. Und es wurde so lange teuer eingekauft bis der Verein ausgeblutet war. Die Konsequenz war der Abstieg in die Kreisliga A (1994/95) und zwei weitere Jahre später in die Kreisliga B (1996/97). Damit spielte man das erste Mal seit 1950 nicht mehr überkreislich.
Niedergang und Neuanfang
Daher musste man wohl auf die Kameradschaft oder die Jugend setzen. Aber Anfang der 90er ging es selbst für die Jugend bergab. Teilweise hatte man noch nicht einmal eine A-Jugend. Der Verein war heruntergewirtschaftet. War die Konstanz in den 19 Jahren Bezirksliga mit einem Namen verbunden, so ist wohl auch der Niedergang mit dem gleichen Namen verbunden. Allerdings war der Niedergang nur stellvertretend für die Gesamtsituation in der Stadt. Mit einer Umschuldungsstrategie gelang es dem Verein, sich trotz Selbstanzeige des 1. Vorsitzenden im Zusammenhang mit Steuerehrlichkeit langsam freizuschwimmen. Am Ende in der Saison 2007/08 gelang der Aufstieg in die Kreisliga A.
Aufschwung mit neuem Stadion
Seit dem Jahr 2003 machte sich die Stadt Gedanken über die Sportplatzlandschaft in Castrop. Das bedeutete, dass zunächst die Erin-Kampfbahn saniert und ein Kunstrasenplatz eingerichtet wurde. Damit verließ der Verein das Jugenddomizil der Erin-Kampfbahn und zog komplett mit allen Fußballmannschaften ins Stadion um. Im Jahr 2007 wurde dann das Stadion renoviert, Aus dem Natur- wurde eine Kunstrasenplatz, der Nebenplatz aus Asche wurde aufgegeben. Auch wenn es nicht der erste Sportplatz mit Kunstrasen war, ist es gut möglich, dass das Stadion mit dieser Oberfläche gegenüber den anderen Verein einen Standortvorteil hatte. Die 2. Mannschaft stieg 2011/12 in die Kreisliga B auf, der 1.Mannschaft gelang der Aufstieg in die Bezirksliga in der Saison 2016/17 und auch die die Jugendarbeit erlebte eine Renaissance, die im zweimaligen Aufstieg der B-Jugend in die Bezirksliga (2013/14 und 2018/19) gipfelte. Auch ein Novum erlebte der Verein. Nach einem ersten Versuch im Jahr 2005, wurde In der Saison 2017/18 eine Damenmannschaft gegründet. Bezeichnend für diese Ära ist auch die dünne Besetzung der Vorstandsschaft. Die Last der Vorstandsarbeit ruhte im wesentlich nur auf 2,5 Personen.